Zwischen Aufbau und Zerstörung - Elfriede Jelineks Theatertexte 'Das Werk', 'Ein Sportstück' und 'In den Alpen' Zwischen Aufbau und Zerstörung - Elfriede Jelineks Theatertexte 'Das Werk', 'Ein Sportstück' und 'In den Alpen'

Zwischen Aufbau und Zerstörung - Elfriede Jelineks Theatertexte 'Das Werk', 'Ein Sportstück' und 'In den Alpen‪'‬

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Beschreibung des Verlags

Der Bau eines gigantischen Staudamms, der Tod eines Bodybuilders und eine verheerende Brandkatastrophe - was ist den drei Ereignissen gemein? Vieles. Zunächst führen die Spuren in allen drei Fällen nach Österreich. Substantieller ist jedoch die Tatsache, dass in allen drei Fällen das Duell Technik vs. Natur erhebliche Zerstörung verursacht hat. Österreichs Nationaldichterin der anderen Art, als die Elfriede Jelinek getrost bezeichnet werden kann, hat alle drei Themen aufgearbeitet. Die Paralleleln sind unübersehbar.
Die Staumauer von Kaprun ist auch von Zwangsarbeitern des NS-Regimes errichtet worden. Ein Umstand, der in der Alpenrepublik gern verschwiegen wird. Der Sieg über die Naturgewalt wird bei Jelinek in dem ihr eigenen Diktum als grandiose Vergewaltigung der Natur dargestellt, bei der jedes Mittel recht war. So, wie anschließend die Staumauern das Wasser zurückhielten, wurde auch die Wahrheit über die Geschichte des Kapruner Werks sozusagen eingedämmt, verschwiegen - bis sich die Spannung, analog zur Energie, die die Wassermassen erzeugten, in einem Aufschrei entlud.
Die Wahrheit über den Tod des Bodybuilders Andreas Münzer (1995) entspricht einem ähnlichen Aha-Effekt. Steroide, Wachstumshormone und andere Medikamente haben den vermeintlichen Schwarzenegger-Nachfolger umgebracht, obwohl dieser immer beteuerte, ohne Dopingpräparate auszukommen. Vielmehr hat dieser sich selbst umgebracht. Beim Versuch, etwas aufzubauen - genauer: Muskelmasse aufzubauen. Um den Tod Münzers herum entlarvt Jelinek die Gewaltherrschaft im Sport auch in Bezug auf die Zuschauerschaft. Als deren Rädelsführer wird die Journaille entlarvt.
Die Brandkatastrophe der Gletscherbahn im Tauerntunnel (1999) ist das dritte Beispiel dafür, dass der schöne Schein nur die Fassade ist, die die weniger schöne Realität verklärt. Pfusch und Billigkonstruktion, dazu zweifelhafte Ingenieursarbeit haben in einer Verkettung von Zufällen buntgekleidete Ski-Urlauber binnen Sekunden in verkohlte Leichen verwandelt. Die Verantwortung wollte anschließend niemand übernehmen. Ein unausweichliches Unglück? Kann ja mal passieren? Diese Art Erklärungsversuche führt Jelinek als einer Geisteshaltung entspringend vor, die mit Wahrheit nicht viel im Sinn hat, und die den Schein mehr ehrt als das Sein.
Zwischen Aufbau und Zerstörung bewegt sich der Mensch bei Jelinek immer dann, wenn dieser Gewalt anwendet. Gewalt in allen Facetten. Gegen sich selbst, gegen andere, gegen Natur(gewalt).

GENRE
Belletristik und Literatur
ERSCHIENEN
2005
14. Februar
SPRACHE
DE
Deutsch
UMFANG
95
Seiten
VERLAG
GRIN Verlag
ANBIETERINFO
Open Publishing GmbH
GRÖSSE
262,5
 kB
Elfriede Jelinek als literarische Figur und öffentliche Person Elfriede Jelinek als literarische Figur und öffentliche Person
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