Beschreibung des Verlags

Wie froh bin ich, daß ich weg bin! Bester Freund, was ist das Herz des Menschen! Dich zu verlassen, den ich so liebe, von dem ich unzertrennlich war, und froh zu sein! Ich weiß, du verzeihst mir's. Waren nicht meine übrigen Verbindungen recht ausgesucht vom Schicksal, um ein Herz wie das meine zu ängstigen? Die arme Leonore! Und doch war ich unschuldig. Konnt' ich dafür, daß, während die eigensinnigen Reize ihrer Schwester mir eine angenehme Unterhaltung verschafften, daß eine Leidenschaft in dem armen Herzen sich bildete? Und doch—bin ich ganz unschuldig? Hab' ich nicht ihre Empfindungen genährt? Hab' ich mich nicht an den ganz wahren Ausdrücken der Natur, die uns so oft zu lachen machten, so wenig lächerlich sie waren, selbst ergetzt? Hab' ich nicht—o was ist der Mensch, daß er über sich klagen darf! Ich will, lieber Freund, ich verspreche dir's, ich will mich bessern, will nicht mehr ein bißchen Übel, das uns das Schicksal vorlegt, wiederkäuen, wie ich's immer getan habe; ich will das Gegenwärtige genießen, und das Vergangene soll mir vergangen sein. Gewiß, du hast recht, Bester, der Schmerzen wären minder unter den Menschen, wenn sie nicht—Gott weiß, warum sie so gemacht sind!—mit so viel Emsigkeit der Einbildungskraft sich beschäftigten, die Erinnerungen des vergangenen Übels zurückzurufen, eher als eine gleichgültige Gegenwart zu ertragen.

GENRE
Belletristik und Literatur
ERSCHIENEN
1832
1. Januar
SPRACHE
DE
Deutsch
UMFANG
71
Seiten
VERLAG
Public Domain
GRÖSSE
50.5
 kB

Kundenrezensionen

Crisost ,

Die Leiden des jungen Werther

Ich finde den Aufbau des Werkes sehr spannend. Besonders die Form des Briefromans hat mich angesprochen. Der Einstieg mit dem Appel des fiktiven Verlegers hat mir gefallen, weil ich das noch nie in dieser Art angetroffen habe. Jedoch einerseits hat mich dieser mir fremde Auftakt des Romans verwirrt, andererseits hat es mich ermuntert das Buch zu lesen. Durch den Ich-Erzähler kann man die Situation Werthers gut nachvollziehen, da Werther dem Leser einen tiefen Einblick in seine Gedanken gewährt.

Ich bin mit sehr hohen Erwartungen an dieses Werk herangegangen, da ich schon viel über den Briefroman von Johann Wolfgang Goethe gehört habe. Es sei ein Werk, das man unbedingt gelesen haben muss. Aus diesem Grund war ich sehr gespannt, als wir das Buch im Gymnasium als Lektüre aufgegeben bekommen haben.

Bis zu einem gewissen Grad haben mich die Darstellung von Werther ,seinen Weltanschauungen und seinen Probleme angesprochen. Jedoch nach einer gewissen Zeit, in der dieselbe Problematik immer wieder von Neuem aufgerollt wurde, kam ich mir vor als ob ich einer realen Person gegenübersässe, welche mich mit ihren Problemen überhäufe. Allmählich verlor ich das Interesse an Werthers Leiden.
Doch als ich zufälligerweise die Kunstgeschichte die Epoche des Sturm und Drang studierte, wurde mir klarer, was die Moral des Briefromans sein soll, denn auch die Künstler jener Zeit hatten sich mit der gleichen Ideologie und den ähnlichen Problemen auseinandergesetzt.

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