Krabat: Roman
-
-
4,0 • 164 Bewertungen
-
-
- 7,99 €
-
- 7,99 €
Beschreibung des Verlags
Ein meisterhaft erzählter Roman, unheimlich, spannend, atmosphärisch: Das ist Krabat, der finstere Jugendbuch-Klassiker von Otfried Preußler. Dieses E-Book ist ab 12 Jahren geeignet.
Dem 14-jährigen Krabat erscheinen in einer Winternacht elf Raben in seinen Träumen. Er kann ihrem Ruf nicht widerstehen und macht sich auf den Weg zur gefürchteten Mühle am Koselbruch. Dort angekommen verspricht ihm der unheimliche Müllermeister ein leichtes und schönes Leben – zu einem hohen Preis. Doch wie kann die Verstrickung mit dem Bösen beendet werden, wie der Meister besiegt werden? Nur eines hat diese Macht: Die bedingungslose Liebe eines Mädchens.
Die auf einer alten Sage beruhende Geschichte ist die Erzählung vom magischen Spiel um die Freiheit des Menschen, um Gerechtigkeit und Liebe. Krabat gehört zu den Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur und ist mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis.
Kundenrezensionen
LANGWEILIG
Guck hoch 👆
Wunderbar!
Ein wunderbares Buch, dass ich seit meiner Jugend in schöner Regelmäßigkeit immer mal wieder lese.
Überlegungen zu Krabat
Die Werke von Otfried Preußler sind nicht nur fantasievolle Kinderliteratur, sondern tragen auch autobiografische Züge und setzen sich mit ethischen Werten auseinander.
Besonders in seinem Roman Krabat verarbeitet er eigene Erfahrungen aus seiner Jugendzeit im Nationalsozialismus. Interessant, was er abschließend über dieses Buch schreibt.
Als junger Mensch war Preußler – wie viele seiner Generation – zunächst von der Hitlerjugend begeistert und zeitweise überzeugter Anhänger der Ideologie. Erst mit zunehmender Reife erkannte er deren Unmenschlichkeit und wandte sich innerlich davon ab. Diese Entwicklung spiegelt sich deutlich in der Figur Krabats wider.
Der einäugige Meister in „Krabat“ kann als Sinnbild der nationalsozialistischen Diktatur verstanden werden. Auch Krabat ist anfangs fasziniert: von der Aussicht auf Macht, von Zugehörigkeit und von den Privilegien, die ihm geboten werden – ähnlich wie viele Jugendliche in der Hitlerjugend. Kameradschaft, gemeinsame Erlebnisse und ein geregeltes Leben üben eine große Anziehungskraft aus. Gleichzeitig bleibt Krabat zunächst unwissend über die wahren Hintergründe – teils zu seinem Schutz, teils, um seinen Gehorsam zu sichern.
Erst der Tod seines Freundes Tonda markiert einen Wendepunkt. Von diesem Moment an beginnt Krabat, die dunkle Wahrheit hinter der schwarzen Magie zu erkennen. Die schnelle Verdrängung des Geschehenen durch die anderen Müllersburschen verweist auf eine Doppelmoral, die sich auch im nationalsozialistischen System wiederfinden lässt.
Die Figuren der Müllersburschen verkörpern unterschiedliche Verhaltensweisen innerhalb eines Unrechtssystems:
Lyschko steht für den eifrigen Mitläufer und Denunzianten, der Gehorsam über alles stellt.
Tonda und Michal hingegen zeigen moralische Integrität – sie versuchen, sich dem System zu entziehen, helfen anderen im Verborgenen und nehmen letztlich sogar den Tod in Kauf.
Merten widersetzt sich offen und zwingt die anderen, sich mit der Grausamkeit des Systems auseinanderzusetzen.
Viele der übrigen Burschen sind gutmütige Mitläufer: keine schlechten Menschen, aber angepasst und passiv.
Eine besondere Rolle nimmt Juro ein. Er verkörpert ein stilles, unscheinbares Heldentum. Indem er sich absichtlich als einfältig darstellt, schützt er sich selbst und gewinnt zugleich Handlungsspielraum. Im Verborgenen leistet er Widerstand, hilft anderen und arbeitet daran, den Meister zu besiegen. Damit widerspricht er auch der nationalsozialistischen Vorstellung von Stärke und Überlegenheit. Juro zeigt: Wahre Größe liegt nicht im äußeren Schein, sondern in Menschlichkeit und Klugheit.
Vor diesem Hintergrund erscheint es problematisch, Otfried Preußler ausschließlich auf seine Jugend in der NS-Zeit zu reduzieren. Eine solche Sichtweise greift zu kurz. Auch Persönlichkeiten wie Hans Scholl und Sophie Scholl waren zunächst Teil nationalsozialistischer Organisationen, bevor sie deren Unrecht erkannten und aktiv Widerstand leisteten.
Preußlers anfängliche Begeisterung lässt sich im Kontext seiner Jugend erklären. Entscheidend ist jedoch seine spätere Entwicklung: Als Erwachsener setzte er sich kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinander und verarbeitete seine Erfahrungen literarisch.
Seine Werke sind durchgehend von einer klaren Haltung geprägt. Militarismus und Autorität werden oft entlarvt oder ins Lächerliche gezogen – etwa durch Figuren wie den tölpelhaften Wachtmeister Dimpfelmoser oder überzeichnete Militärgestalten. Gleichzeitig stellt Preußler Figuren in den Mittelpunkt, die sich durch Menschlichkeit, Mitgefühl und Eigenständigkeit auszeichnen.
Seine „Helden“ sind keine strahlenden Krieger, sondern Außenseiter und Antihelden: die hilfsbereite kleine Hexe, der neugierige kleine Wassermann oder eben Juro. Auch tierische Begleiter wie Abraxas oder andere Figuren verkörpern Werte wie Freundschaft, Loyalität und Zivilcourage.
Insgesamt zeigt sich: Preußlers Literatur ist geprägt von einer deutlichen Absage an Gewalt, Unterdrückung und blinden Gehorsam. Stattdessen stellt er Menschlichkeit, kritisches Denken und Mitgefühl in den Vordergrund.
Gerade deshalb kann Otfried Preußler als Vorbild gelten – nicht trotz, sondern auch wegen seiner Entwicklung. Seine Werke zeigen, dass es möglich ist, aus eigenen Irrtümern zu lernen und sich bewusst für humanistische Werte zu entscheiden.