Waffenstillstand
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Waffenstillstand
Die Rückkehr
Die Straße verengte sich, als er sich näherte. Der Boden war oberflächlich ausgetrocknet, doch darunter lag noch Feuchtigkeit, schwer und zähflüssig, als ob er sich nicht entscheiden konnte, ob er zu Schlamm oder Staub werden wollte. Die Reifen des Wagens hinterließen einen undeutlichen Abdruck, etwas zwischen Kratzer und Wunde.
Er konnte sich nicht erinnern, dass es so gewesen war.
Oder vielleicht erinnerte er sich daran, realisierte es aber damals nicht.
Zuerst kam der Geruch. Nicht nur der von feuchter Erde, sondern etwas Komplexeres, als hätte sich das Wasser mit Eisen, mit verrottenden Blättern, mit etwas Verstorbenem vermischt, das noch nicht zu verwesen begonnen hatte. Er schloss das Fenster kurz, dann öffnete er es wieder. Er wollte sie spüren.
Die Kurve vor dem Dorf hatte sich verändert. Der alte Baum war gefällt worden. An seiner Stelle stand ein glatter, fast vom Regen polierter Stumpf. Weiter flussabwärts war der Bach so stark angeschwollen, dass er einen Teil der Straße weggespült hatte. Ein provisorisches Geländer hielt die Autofahrer auf Abstand, als wolle es sie warnen, ohne es zu erklären.
Einen Moment innehalten.
Motor abstellen.
Die Stille war nicht vollkommen. Ständig war ein Geräusch zu hören, leise und stetig. Das Wasser, das irgendwo in der Nähe floss. Der Wind, der durch das trockene Schilf strich. Ein metallisches Geräusch von etwas Zerbrochenem, das rhythmisch zuschlug.
So blieb er stehen, die Hände am Lenkrad.
Er wollte nicht hineingehen.
Es war keine Angst. Es war etwas Unbestimmteres. Ein Widerstand ohne Gesicht. Als ob ihr etwas sagen wollte, dass dieser Ort nicht auf sie wartete, sie nicht brauchte.
Vielleicht hatte er ja recht.